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Das Bordeaux-Enigma

Am Anfang war alles ganz einfach: Schmecken muss er mir, der Wein, köstlich soll er sein. Dazu muss ich das ganze intellektuelle Theater um Terroir und Traubensorte, Barrique, großes Fass oder Stahltank, nicht mitmachen. Was juckt es mich, ob der Wein auf dem Acker mit den großen Steinen oder dem mit dem Sandboden und dem Kruzifix am Rand gewachsen ist. Wenn mir der Wein schmeckt, ist mir das egal - der Geschmack heiligt die Mittel!

Mit dieser Einstellung bin ich damals, vor 30 Jahren, gut gefahren. Bis dann kam, was kommen musste: irgendwann geriet ich an Weinexperten, die beim Anblick der Flasche meines heißgeliebten fruchtig-süffigen Chianti ganz sachte die Mundwinkel verzogen und sich ganz angelegentlich darüber zu unterhalten begannen, dass man als wahrer Weinkenner selbstverständlich Bordeaux bevorzuge.

Mein darauf folgender Ausflug in die Welt der Bordeaux-Weine (ich wollte auch „Weinkenner“ werden!) war Desaster und Glücksfall zugleich. Ich kaufte einige drei oder vier Jahre alte Bordeaux-Weine (spottbillig waren die damals im Vergleich zu heute) und war zutiefst enttäuscht. Sie schmeckten scheußlich: Bitter, hart, eng. Einige hatten eine auf der Zunge brennende Säure, Andere rochen, na ja, „merkwürdig“: nach Pferde- oder Schweinestall. Der Glücksfall war der Weinhändler, der mir Greenhorn nicht einfach seine Ladenhüter andrehte sondern, man glaubt es kaum, eine durchdachte Auswahl guter Bordeauxweine aller Qalitätsstufen zusammenstellte. Nur wusste ich das damals noch nicht ... ich stellte die Scheußlichkeiten einfach in die hinterste Ecke des Kellers und ging zur Tagesordnung über.

Irgendwann, lange später, habe ich dann doch mal wieder Flaschen aus der „Schrottecke“ aufgemacht und verblüfft festgestellt wie gut die waren: Cassis- und Brombeernoten, kandierte Früchte, im Mund schmelzendes, samtiges Tannin, Eleganz und Finesse, minutenlanger Abgang. Selbst mein (damals) grundsätzlich nur Bier trinkender Freund ließ sich zu einem anerkennenden „uiii, den kann man trinken“ hinreißen. Damals habe ich gelernt: große Bordeaux müssen lange reifen! Also lassen Sie sich bloß nicht dazu hinreißen eine gute Flasche schon im Kindesalter zu öffnen. Sie werden ohnehin nur feststellen dass ein italienischer „Supertuscan“ oder ein südamerikanischer Bordeaux-Blend aus dem gleichen Jahr viel besser schmeckt.

Warum? Bordeaux schmeckt im Frühjahr nach der Ernte schon ganz gut: Im besten Falle maskieren Frucht und Extrakt die noch strengen Tannine und die oft massive Säure. Nach dem großen April-Happening der Primeur-Verkostung, einige tausend Händler und Journalisten strömen nach Bordeaux um die Jungweine zu verkosten und zu subskribieren, verschwindet der Wein erst mal für ein oder zwei Jahre im Barrique, wo er sich prächtig entwickelt. Die Aromen der Trauben und der Gärung mischen sich mit denen des Fassholzes, die Säure lässt schon nach. Die darauf folgend Abfüllung in Flaschen stresst den Wein, er schmeckt nach Holz und Tannin, hart und eng. Mindestens zwei, meist aber sechs, acht, oder zehn Jahre braucht er jetzt, während er sich ganz langsamweiterentwickelt, die Tannine satt und milde werden. Langsam kommen dann auch die Fruchtaromen zum Vorschein.

Am Ende dieser Periode beginnt die Zeit der optimalen Trinkreife. Anfangs sollte man den Wein noch durch dekantieren mit Luft in Berührung bringen um die Aromen voll zur Entfaltung zu bringen. Später, große Bordeaux können durchaus 30 und mehr Jahre alt werden, vermeidet man den intensiven Luftkontakt eher, um die fragiler werdenden Aromen zu erhalten. (Deshalb schwenkt man auch alte Weine nicht im Glas – was bei jüngeren Weinen zum Hervorbringen des Aromas vorteilhaft sein kann, zerstört den filigranen Duft alten Weins in Sekundenschnelle). Viele Jahre später signalisieren dann Maggi- oder Fleischbrühe-Noten das Hinscheiden der alten Bouteille.

Sofort muss ich mir widersprechen: natürlich gibt es auch Bordeaux die schon im jugendlichen Alter schmecken und solche die trotz Jahren des Reifens nicht so recht an den Mann wollen. Und es gibt Jahre, die bringen allgemein schnell reifende Weine hervor. Der Jahrgang 2007 z. B. war schnell reif, vollmundig, mit feiner Süße und schönem Körper. Er ist jetzt sehr schön zu trinken, wird aber wahrscheinlich kein allzu hohes Alter erreichen.

Und was ist, wenn Ihnen die Aromen und der Geschmack eines reifen Bordeaux nichts bedeuten? Dann trinken sie getrost das, was Ihnen schmeckt. Sie werden mit Sicherheit einiges an Geld sparen!

Keine Lust jahrelang auf die Reife eines Bordeaux zu warten? Barbaresco, Barbera, Brunello, Blaufränkisch, Syrah & Co kommen meist trinkreif auf den Markt, Südamerikanische Weine sowieso. Und wen interessiert es schon, ob ein Chianti Classico in der Flasche ist oder einer von den Colli Senesi und ob er von einem linkshändigen Sizilianer gepflückt wurde oder einer brillentragenden Praktikantin. Lassen Sie sich nicht für dumm verkaufen: schmecken muss der Wein, und zwar Ihnen. Aber das (siehe oben) hatten wir ja schon mal.

Na denn ...

Prost

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